Liebe Pfarrgemeinde,

Was feiern wir eigentlich im Juli? – Dieses Jahr nicht besonders viel, mag sich der eine oder andere vielleicht gleich denken. „CORONA“ hat viele unserer Pläne durchkreuzt, lässt uns nach Neuem Ausschau halten, anders denken, planen,….

Ein Blick in den liturgischen Kalender zeigt uns unabhängig von Corona auch keine großen Hochfeste, aber doch einige weltweite „Stars“, die für unseren Lebens- und Glaubensweg von Bedeutung sein können. Oder – wie Walter Nigg, ein Schweizer reformierter Theologe mal treffend formulierte: „Heilige wollen uns zu Christus hinführen. (…) Sie versuchten das Leben Jesu nachzugehen (…). Das ist ihnen so gut gelungen, dass sie bei Gott angekommen sind“:

Als erstes steht das Fest Maria Heimsuchung (02.07.) an: Wir erinnern uns daran, wie die schwangere Maria ihre ebenfalls schwangere Cousine Elisabeth besucht. Maria antwortet auf den Gruß ihrer Verwandten mit ihrem berühmten Loblied, dem Magnifikat. "Meine Seele preist die Größe des Herrn." – Dieses Fest kann uns den Impuls geben, (nicht nur heute) das LOBEN besonders in den Blick zu nehmen. – Loben wir heute doch mal bewusst unsere Mitmenschen – und nehmen auch wir ein Lob einmal an, ohne diesem gleich etwas entgegenzusetzen. Und nicht zuletzt, sondern vor allen Dingen: LOBEN WIR GOTT für all das, was er uns täglich schenkt.

Der Heilige Apostel Thomas (03.07.) wird im Johannesevangelium als Grübler und Zweifler dargestellt. Doch am Ende des Johannesevangeliums macht er das klarste Bekenntnis zum Auferstandenen: Mein Herr und mein Gott (Joh 20,28). → Vielleicht kommen Sie ja (heute) dazu, ihre Zweifel und Fragen in Worte zu fassen: Was trauen Sie Gott wirklich zu? Was eher nicht? – und was glauben und bekennen Sie von Herzen?

Nun folgt der Gedenktag unseres Bistumspatrons, des Heiligen Bischofs Ulrich (04.07.), der auch dem Kloster Ottobeuren sehr verbunden war. War er doch einst selbst Abt des Klosters. Der Heilige Ulrich lebte aus einem tiefen Glauben heraus und stand doch mitten im Leben, z.B. ließ er die Stadt Augsburg  gegen die Ungarneinfälle befestigen und verhinderte deren Einfall. Er packte tatkräftig an, was in seiner Macht stand, und brachte alles im Gebet vor Gott. → Im GEBET Gott ALLES anvertrauen, das könnte die Aufgabe von heute sein. Denn mit Gott können wir reden, wie mit einem Freund und all das, das sonst manchmal unter den Teppich gekehrt werden muss, darf hier auf den Tisch: Freude, Sorgen, Trauer, unausgesprochene Gefühle, Zweifel, Angst, Frust, Dank,…

Am 10. Juli wird schließlich das Fest des Hl. Alexander (10.07.) gefeiert, des Kloster- und Kirchenpatrons von Ottobeuren. Er starb zusammen mit seinen sechs Brüdern und seiner Mutter Felizitas in Rom den Märtyrertod. Der starke Glaube dieser ganzen Familie ist sehr beeindruckend. à Die Frage an uns könnte heute lauten: wie sieht unsere Nachfolge aus? Sind wir „Bewunderer“ oder „Nachfolger“ des Herrn Jesu Christi. Lassen wir uns von ihm führen und leiten in unserem Alltag und unserem ganzen Leben.

Das nächste größere Fest, vor allem für unsere Mönche in der Basilika ist das Fest des Heiligen Benedikt (11.07.), der auch zum Patron Europas ernannt wurde. Hier ist die Auswahl an „Lebensweisheiten“ besonders schwer, enthält doch die Benediktusregel eine Fülle davon. Herausgreifen möchte ich an dieser Stelle nur das erste Wort des Prologs der Regel: „HÖRE“ – Dieses Wort ist bei Benedikt zentral. Das Hören auf GOTT, aber auch das Hören auf den Abt, die Mitbrüder, die Herausforderungen des Alltags. ….  Hören setzt voraus, dass ich still werden und zum hören bereit bin. Das ist für uns heute gar nicht mehr so einfach, ist es doch um uns herum kaum still. Radio, Fernseher, Telefon, und auch das verschriftlichte Wort nehmen großen Raum ein. → Die „Challenge“ für heute könnte das bewusste Hinhören sein. Auf das Wort Gottes, was es für mich und mein Leben zu sagen hat, aber auch das Hören auf die Mitmenschen,… vielleicht muss ich nicht immer der erste sein, der redet ;-)

Eine gute Woche später feiern wir zwei heilige Frauen: Maria Magdalena (22.07.) und Birgitta von Schweden (23.07.).

Maria Magdalena wurde in der Urkirche "apostola apostolorum" (Apostolin der Apostel) genannt. Sie war die Frau, die Jesus am Nächsten stand. Als seine Jünger wegliefen, harrte sie aus. Sie war bei der Kreuzigung Jesu und auch bei seinem  Begräbnis dabei. Sie war die erste, die sich am Ostermorgen zum Grab aufmachte, und so zur ersten Zeugin der Auferstehung wurde. → Der Impuls für heute könnte lauten: Wie nah bin ich an Jesus und seiner Botschaft dran? Welche Jesusworte sind mir besonders nahe? Vielleicht möchte Sie diese auch gerne mit anderen teilen? Dann: schreiben Sie uns….. Wir sammeln sie auf der Homepage….

Der Heiligen Birgitta von Schweden lag das Seelenheil ihrer Nächsten – ob groß oder klein – besonders am Herzen. Sie scheute sich nicht, selbst den Papst zur Umkehr aufzurufen. Doch auch die Nöte der Armen und Kranken hatte sie im Blick und half wo und wie sie nur konnte. Kurzum: Birgitta hat „einfach“ geliebt und aus dieser Liebe heraus gehandelt. → Die Aufgabe von heute könnte also lauten, ALLES mit einem wohlwollenden und liebenden Blick zu betrachten: auch das trotzige Kind, die lange Warteschlange,… Frei nach einem Gebet der Heiligen: Herr, zeige mir den Weg, und mache mich willig, ihn zu wandern.
Die Homepage (auf deutsch) der schwedischen Erlöser Schwestern ist übrigens wärmstens zu empfehlen. Mit viel Charme werden dort u.a. 1001 Fragen rund um die Heilige Birgitta und das Klosterleben beantwortet, die Sie sicher zum Schmunzeln bringen werden.  www.birgittaskloster.se

Der Apostel Jakobus (25.07.) mit Pilgerstab und Muschel dargestellt hat besonderes Temperament. Wird er doch mit seinem Bruder zusammen „Donnersohn“ genannt. Trotz – oder gerade wegen seines Temperaments hat Jesus ihn geschätzt, und ihn sowohl an seiner Verklärung, als auch an seiner Todesangst in Gethsemane teilhaben lassen. → Heute können wir uns das einmal unter die Haut gehen lassen, denn auch für uns gilt: GOTT liebt uns so, wie wir sind. Mit unseren Stärken, aber auch mit unseren Schwächen.
Die Reliquien des Hl. Jakobus werden bekanntlich in Santiago de Compostela verehrt. – Einen Teil des berühmten „Camino“ bin ich vor Jahren mal gepilgert. Für die ganze Strecke fehlte zwischen dem Studium einfach die Zeit, aber der Weg - das Unterwegssein lehrt unglaublich viel: Der eigene Lebensweg wird klarer, man entdeckt, was wirklich zählt im Leben.

Der letzte Heilige, den wir im Juli feiern ist der Gedenktag des Hl. Ignatius von Loyola (31.07.). Auch bei ihm ist es wieder schwer, eine Auswahl zu treffen, bietet doch gerade sein Exerzitien Büchlein viel Bedenkenswertes, das durchdacht und meditiert werden sollte. Aber dafür braucht es mehr Zeit. Stille Zeit. Am Besten in (Einzel-)exerzitien, um sich mit Hilfe von Ignatius auf die intensive Begegnung mit Gott zu machen. – Es lohnt sich, wie ich schon mehrmals erfahren durfte. – Herausgreifen möchte ich an dieser Stelle doch noch einen letzten Impuls. Den spirituellen Auftrag, den er seinem Jesuitenorden mitgab: „Gott in allen Dingen suchen und finden“.

Machen wir uns auf die Suche nach Gott – nicht nur in der Kirche – auch auf der Straße, im Büro, zwischen den Kochtöpfen, dem Berg Wäsche – überall können wir IHM begegnen – wenn wir IHN suchen / uns für ihn öffnen. Eine erfolgreiche Suche und immer wieder eine echte Begegnung mit IHM, unserem HERRN und GOTT wünsche ich ihnen von Herzen.

Ihre Gemeindereferentin Brigitte Kleele